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6.8.2010 von Julia.
Als ich meine erste eigene Wohnung hatte - in Schwabing *seuftz* - war Philipp mein Mitbewohner, der ganz schnell zum Freund des Hauses wurde. Auch nach nach mehreren Jahren in Sendling haben wir uns zum Glück nicht aus den Augen verloren. Die Abende mit ihm sind immer kurzweilig, spannend, witzig und viel zu schnell vorbei. Obwohl eher Richtung Frankreich als - wie wir - nach Italien orientiert, hatte er keine Einwände gegen Steinpilz-Risotto und selbst importierte toskanische Weine.
Das Risotto hat der beste Ehemann der Welt gemacht, der in Sachen Risotto ein Naturtalent ist. Hier die Zutaten (sehr “frei Schnauze” und in den Mengenangaben durchaus variierbar).
Handvoll getrocknete Steinpilze (in heißem Wasser eingeweicht)
Schale frische Pilze (braune Champignons) kleingeschnitten
Knoblauch
2 große Schalotten
2 Handvoll Parmesan gerieben
ca. 250 gr Risotto-Reis
Gemüsebrühe
trockener Weißwein (wir hatten zuuuuuufällig den Touraine von Jacques’ offen :))
Salz, Pfeffer, Petersilie, Schnittlauch
Und so geht’s:
Zwiebeln und Knobi in Öl anschwitzen. Kompletten Reis zugeben. Unter ständigem Rühren anbraten, bis der Reis heiß wird (”glasig” steht immer in Kochbüchern und ist laut dem besten Ehemann der Welt totaler Schwachsinn: “Reis wird nicht glasig!”). Mit ordentlichem Schluck Weißwein aufgießen. Reduzieren lassen auf heißer Flamme. Mit dem aufgefangenem Wasser der eingeweichten Pilze (gibt super Aroma!) ergänzen, ständig weiter rühren, Brühe zugießen. Ständig rühren und reduzieren. Die eingeweichten Steinpilze hacken und zugeben. Rühren, rühren. Parmesan und frische Pilze hinzugeben. Rühren, rühren. Salzen und pfeffern und rühren, bis das Risotto die Konsistenz hat, die man mag. Wenn es zu fest wird, noch etwas Wein oder Brühe zugießen oder weiter reduzieren lassen, falls es zu flüssig ist. Im Zweifelsfall: rühren!
Auf dem Teller mit Kräutern garnieren und heiß servieren. Übriges Risotto im vorgeheizten Ofen warm stellen, damit es nicht zu schnell kalt und fest wird.
Wir haben für einen speziellen Abend mit einem lieben Freund noch Jakobsmuscheln in einer Pfanne in Öl angebraten (bei relativ starker Hitze sehr kurz). Und auf das Risotto gesetzt. Yummy!.
Zu den selbst importierten Steinpilzen aus der Toskana passen natürlich auch die entsprechenden Weine. Das Weingut Poderi del Paradiso kennt Ihr schon vom Post über den fantastischen Wein Mangiafoco. Heute haben wir vom gleichen Produzenten den Paterno II geöffnet, der - wie schon beschrieben - vom Feinschmecker ausgezeichnet wurde und mit 13,50 ein unglaublich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Das meinte sogar unser frankophiler Freund Philipp. Die Sangiovese-Traube ist und bleibt mein Favourite. Zur Auswahl hatten wir dann noch einen einfachen Chianti Colli Senesi von der Fattoria San Donato nahe San Gimignano. Bei Umberto und Federica haben wir schon öfter wunderschöne Urlaube verbracht. Den Wein (übrigens auch ein Wahnsinns-Rosato!) nehmen wir gerne mal in größeren Mengen mit, wobei wir im Kofferraum “Weinkisten-Tetris” spielen müssen
Gute Freunde, einfache Gerichte mit besten Zutaten, nette Gespräche und guter Wein - was braucht man mehr? Was ist Euer Rezept für einen Abend, der den Namen “Soulfood” verdient? Kann ein Gericht einen Kurzurlaub im Kopf starten und sind gute Freunde nicht sowieso das beste Rezept für einen schönen Abend? Was meint Ihr?
Geschrieben in Toskana, Wein, Essen | 1 Kommentar »
1.8.2010 von Julia.
Es gibt Tage, an denen muss man einfach eine besondere Flasche Wein aufmachen. Freitag war so ein Tag, weshalb wir uns für einen Wein entschieden haben, den wir aus unserem letzten Toskana Urlaub mitgebracht hatten:
Der Mangiafoco des Weinguts Poderi del Paradiso nahe San Gimignano ist nicht aus der ortstypischen Sangiovese-Traube gemacht, sondern besteht ausschließlich aus Cabernet Sauvignon, den die Familie seit den 80er Jahren anbaut - natürlich neben den Klassikern Sangiovese und Vernaccia. Aber auch Merlot, Syrah und Chardonnay gehören mittlerweile zu den Weinen der Produzenten. Auf 30 Hektar wachsen die Reben für rund 150 000 Flaschen im Jahr. Dazu kommen 1300 Olivenbäume, aus denen eines der besten Olivenöle gemacht wird, das ich kenne. Es ist nicht zu herb, leicht grasig und eignet sich hervorragend zum Kochen und aber auch für Salate, über Crostini geträufelt usw.

Aber zurück zum lecker Weinchen: Der Mangiafoco (wir hatten einen vom Jahrgang 2006) hat 14,5% und ist damit nicht gerade einer der leichtesten. Die 14 Monate Reifung in französischen Eichenfässern lässt natürlich Tannine schmecken. Die waren aber angenehm zurückhaltend, sei es durch die 4 Jahre seit Herstellung oder auch durch genügend Zeit zum Atmen nach Öffnen der Flasche. Die tiefrote Farbe und der sehr intensive Geruch nach roten Beeren und Holz macht Lust auf den ersten Schluck. Die Aromen, die wir herausgeschmeckt haben, waren marmeladige Kirsche, Leder und Röstaromen.
Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir die Flasche vor Ort für 22 Euro gekauft. Sicher kein Schnäppchen aber jeden Euro wert.
Etwas bekannter ist der Sangiovese Paterno II des Weinguts. Er wurde 1999 vom Feinschmecker ausgezeichnet und hat mit 13,50 EUR ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Paterno II gehört zu unseren Must-Buys, wenn wir in der Gegend rund um San Gimignano sind.
Man kann die Weine direkt beim Weingut kaufen oder in einer Cantina in der Altstadt von San Gimignano. Das Weingut findet man ca. 3.5 km nach San Gimignano auf der Straße nach Certaldo. Wenn es dann links nach Gambessi geht, zeigt schon ein Schild nach rechts zum Podere Paradiso. Der Weg dorthin lohnt sich nicht nur wegen des unglaublichen Blicks auf die Türme von San Gimignano. Man kann vor Ort auch alle Weine verkosten und bekommt eventuell sogar eine Führung durch den Weinkeller.
In der Cantina, die man nach wenigen Metern rechts vorfindet, wenn man die Altstadt durch das Tor San Giovanni betritt, stehen nur der Vernaccia und der einfache Chianti zum Verkosten bereit. Alle Weine sowie das Olivenöl können allerdings gekauft werden.
Was ist Euer Wein für Tage, an denen man einfach mal eine besondere Flasche aufmachen muss?

Geschrieben in Toskana, Wein | 1 Kommentar »