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Wenn selbst das Abendbrot zu kurz kommt

Es gibt Tage - oder manchmal Wochen - an denen man weder die Zeit noch den Kopf hat zu kochen. Obwohl es Spaß macht und relaxt, ist einfach zu viel los. Ein schneller Salat, belegte Brote oder der Gang ins Stammlokal sind dann schon das Höchste der Gefühle. Umso mehr freue ich mich aufs Wochenende und neue Kocherlebnisse. Mal sehen, was kommt. Ihr werdet es auf jeden Fall erfahren :)

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Aber ganz ohne kochen geht’s halt dann doch nicht. Am Dienstag hatten wir Besuch von Konny, Philipp und Justus, die sich explizit Frankfurter Grie Soß gewünscht hatten. Und so ein Wunsch ist natürlich eine reine Freude. Zumal die Kräutersaison definitiv dem Ende zugeht und es die letzte Chance für diese herrlich frische Frühlings- und Sommeressen war. Denn die Balkonkästen waren fast leer, da sie ja ohnehin unter Regen und Kälte gelitten haben diesen Sommer und auf dem Viktualienmarkt waren nur noch mit Ach und Krach die nötigen Kräuter zu finden (ein Dank dem bEdW, der natürlich keine Mühe gescheut hat, die Standl-Besitzer wuschig zu machen und doch noch alles zu organisieren!).

Das Rezept findet Ihr hier. Und weil wir diesmal zu fünft waren (und noch eine Probier-Portion für die Nachbarin von Konny und Philipp übrig bleiben musste), gab’s neben Kartoffeln und hartgekochten Eiern auch noch lecker Tafelspitz dazu. Ganz zu schweigen vom Äppelwoi, den die Gäste mitgebracht haben. Stilecht im Bembel und ausm Gerippte :)

Besonders freut mich immer, wenn Gäste aufgeschlossen sind für neue Geschmäcker, alles ausprobieren und dann auch noch vollgegessen und glücklich nach Hause gehen. Die Grie Soß Orgie war jedenfalls ein voller Erfolg und hat in stressigen Zeiten wahnsinnig gut getan. Denn so ein Stückchen Heimat zu teilen, ist immer ganz besonders schön. Kochen tut halt doch gut - und essen muss der Mensch ja auch!

Die Saison ist jedenfalls offiziell beendet. Wir sagen “Tschö, Grie Soß” - wir sehen uns im Frühjahr wieder!

Heimatgefühle: Hessischer Kartoffelsalat

Hessischer Kartoffelsalat

 Der letzte Post hier im Blog handelte von toskanischem Soulfood. Manchmal streicheln aber auch ganz andere Dinge die Seele: Zum Beispiel Rezepte aus der Heimat, die man automatisch mit Kindheit verbindet (wie im Post zur Grie Soß). Für Kartoffelsalat gibt es wahrscheinlich ebensoviele Rezepte wie es Hausfrauen gibt. Aber natürlich gilt auch hier wieder, dass der einzig Wahre von meiner Oma stammt und über meine Mutter an mich weitergegeben wurde. Dazu einige Frankfurter (keine Wiener!!) Würstchen, ein Glas Äppelwoi (Danke an meinen Chef für die mitgebrachte Flasche!) ausm Bembel und schon fühl’ ich mich wie daheim.

Rosaschalige französische Kartoffeln

Zutaten für den Kartoffelsalat:

Für 3 Personen rechnet man mit ca. 1 kg festkochende Kartoffeln (Bamberger Hörnchen, Galatiner/Sieglinde, Leila, oder - wie in unserem Fall - eine rosaschalige, französische Sorte)

Etwas gewürfelter Schinkenspeck (wer’s vegetarisch mag: Etwas Pflanzenöl für’s “Glitschige” bereithalten)

1 große Zwiebel

1 Tasse Gemüse- oder Rinderbrühe

Salz, Pfeffer

7 EL Essig (stinknormalen - kein Wein- oder Kräuteressig!)

1 EL mittelscharfen Senf (das ist meine Variante u. meine Ma schlägt sicher gleich “die Hän’ überm Kopp zusamme”)

Schnittlauch und Petersilie

Bei den wenigen Zutaten versteht sich von selbst, dass von der Qualität der Kartoffel einiges abhängt. Also unbedingt eine aromatische Sorte verwenden. Festkochend ist wichtig, ansonsten geht, was gefällt.

Und so wird’s gemacht:

Kartoffeln (mit Schale) im Idealfall schon am Vortag kochen, schälen und mit einem Tuch zugedeckt an einem kühlen Ort (nicht im Kühlschrank!) aufbewahren. Wer soviel Zeit nicht hat, kann die Kartoffeln morgens kochen, um sie abends zu verarbeiten. Wenn sie zu frisch sind, zerfallen die Scheiben zu schnell. Wem das nichts ausmacht, der kann auch - wenn es schnell gehen muss - die Kartoffeln kochen, abkühlen lassen und gleich weiter verweden. Perfekt und “original” ist aber mit das Kochen am Vortag :)

1 Tasse Gemüse-/Rinderbrühe ansetzen und den Senf darin auflösen, Zwiebeln fein, fein, fein hacken. Schinkenspeck sehr fein würfeln. Schnittlauch und Petersilie ebenfalls sehr fein hacken. Schinkenspeck in einer Pfanne zusammen mit den Zwiebeln anbräunen aber nicht knusprig werden lassen - zur Seite stellen.

Jetzt die geschälten, abgekühlten Kartoffeln in möglichst dünne Scheiben schneiden (hier freut sich, wer die Kartoffeln über Nacht hat stocken lassen :)). Das geht am besten in einer großen Schüssel und Lage für Lage. Also erstmal soviel schneiden, dass der Boden bedeckt ist. Dann mit Salz, Pfeffer, Essig und einem Schluck Brühe würzen. Dann wieder eine Lage Kartoffeln in Scheiben schneiden, würzen. Kartoffeln, würzen usw. bis alles aufgebraucht ist.

Zuletzt den Schinkenspeck (oder 2-3 EL Pflanzenöl) und die Zweibeln drüber geben. Jetzt muss das ganze gemischt werden! Damit die dünnen Scheiben nicht zerbrechen, lässt man den Kartoffelsalat am besten von einer Schüssel in eine andere gleiten - und zurück. Macht etwas mehr Arbeit und dreckiges Geschirr, hat sich aber seit mindestens 3 Generationen bewährt.

Zum Schluss Schnittlauch und Petersilie drüber geben, damit das Ganze auch für’s Auge schön aussieht und ein bisschen mehr Frische bekommt.

Der Kartoffelsalat sollte unbedingt etwas ziehen, bis zum Schluss die ganze Brühe aufgesogen ist. Wer dafür die Zeit nicht hat, gießt die überschüssige Brühe ab oder verwendet von Anfang an etwas weniger.

In einer moderneren Variante kann man natürlich auch Rucola unter den Salat heben oder mit Olivenöl hantieren. Das schmeckt dann aber nicht mehr nach hessischer Kindheit und passt auch nicht mehr ganz so gut zum Äppelwoi.

Guten Appetit! Und lasst mal hören, was Eure Kindheitsrezepte sind. Ich freue mich über Eure Ideen.

PS: Pünktlich zum Bundesligastart nächste Woche wird das Heimatgefühl ordentlich auf die Spitze getrieben. Vielen Dank an meinen Papa Peter für “Stöffche aus de Dos’” (Äppelwoi mit Wasser gespritzt aus’m Eintracht-Fan-Shop) und ‘nem Eintracht-Schal!

Nächste Woche: Bundesligastart!


Frankfurter Grie Soß

Nachdem meine Kollegin und echtes Münchner Kindl Andrea am Wochenende ihre erste Frankfurter Grie Soß gegessen und anscheinend Gefallen daran gefunden hat, war das gleich die Inspiration für den heutigen Blog-Beitrag. Als Frankforter Määdsche ist das Gericht ja quasi in meiner DNS verankert. Natürlich gibt es jede Menge Streitereien über die richtigen Kräuter, Mayonnaise oder keine, Ei oder nicht… Wenn man aber mal alle Ideologie beiseite lässt, bleibt ein wunderbar leichtes, frisches Gericht, das sich neben den Klassikern Bratkartoffeln, halbe Eier oder Tafelspitz auch super eignet zu Baked Potatoes, Grillfleisch oder Spargel (nächste Saison dann wieder). Es schmeckt einfach nach Frühling (die Saison beginnt spätestens an Ostern) und kann bis in den Herbst hinein gegessen werden.

Natürlich hat jede Familie ihr eigenes Rezept und NATÜRLICH ist das meiner Familie das einzig wahre ;-) Aber im Ernst:  Damit konnte ich schon Rheinländer, Mac-Poms, Sachsen und Bayern überzeugen. Also ganz so verkehrt ist sie dann wohl nicht.

Zutaten für 2 Personen (nach Oma Marga, verfeinert durch Mama Gerlinde, gehegt und gepflegt und für gut befunden von Julia):

2 hartgekochte Eier (bei mehr Personen: Immer 1 Ei weniger als Leute)

Je ein Bund Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Pimpinelle

Einige Blätter Sauerampfer, Borretsch

1 Becher Joghurt (lieber etwas mehr kaufen u. je nach Konsistenz zugeben)

1 Becher Saure Sahne

stinknormaler Essig, einfaches Pflanzenöl, 1 EL mittelscharfer Senf, Salz, Pfeffer

Bei der Zubereitung tut man sich am Leichtesten mit einem Pürierstab. Puristen hacken die Kräuter, aber das muss nicht sein. Also: Kräuter von den Stängeln zupfen, grob zerkleinern. Zusammen mit den Eiern, Senf und Gewürzen pürieren. Die Masse mit Saure Sahne und Joghurt vermengen, bis die gewünschte Konsistenz entsteht. Die Grie Soß sollte breiig sein, keinesfalls flüssig oder fest - und ein schönes Grün haben. Mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Dann nochmal abschmecken, ggf. nachwürzen. Fertig.

Die Kräuter stellen einen außerhalb Frankfurts manchmal vor eine Herausforderung. Aber selbst dort gibt es die fertigen Packungen. Davon unbedingt die Finger lassen, weil meist krause Petersilie in Massen drin ist und von den anderen Kräutern nur Spuren. Ich pflanze sie mittlerweile in Balkonkästen an, wobei die Kräuter sich leider nicht so schnell erholen wie wir Grie Soß essen :) Auf gut sortierten Märkten bekommt man die Kräuter in der Regel aber auch. Oder man bestellt sie beim Gemüsehändler vor.

Finger weg von den Grüne Sauce Päckchen

Dazu passen klassischerweise eben Tafelspitz und Salzkartoffeln, Bratkartoffeln mit 2 halben Eiern oder Schnitzel. Wir essen sie aber auch als Dip zu Rohkost, Grill- oder Ofenkartoffeln, Grillfleisch usw.

Ich hatte ja versprochen, nicht ideologisch zu werden. Aber Dill gehört wirklich niemals und unter keinen Umständen in die Grie S0ß! Sonst zieht Euch meine Oma die Ohren lang…

Und wer sie nicht selber machen mag: Die beste gibt’s im “Rad” in Seckbach (dörflicher Frankfurter Stadteil) und beim “Wagner” in Sachsenhausen.

PS: Fast hätte ich die Getränke vergessen! Natürlich ist Äppelwoi der Klassiker - kann aber bei ungeübten oder nicht-hessischen Gastessern schon mal zu Turbulenzen führen mit all den frischen Kräutern. Deshalb empfehlen sich auch ein Sauvignon Blanc oder ein Grüner Veltliner.

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